Die Wahrheit in erotischen Fantasien
- Was das "Kopfkino" über uns verrät

Traum und Wirklichkeit. Was es bedeutet, wenn wir von Orgien, Engeln, Dominanz oder Sex mit Fremden träumen. Und was das "Kopfkino" über uns verrät.
Sie steht am Fenster im Zug nach Graz. Die Fahrt ist lang, das Abteil leer, die Welt draußen nächtlich dunkel. Total fad. Es sei denn, man gönnt sich ein Gedankenspiel mit einer persönlichen Erotikfantasie: Ein Fremder nähert sich, ohne ein Wort zu sagen. Lässt seine Hände über ihren Körper gleiten. Erst vorsichtig, dann fordernd, bald unter Pulli und Rock, an der nackten Haut. Sie spürt seinen Atem an ihrem Ohr. Lässt ihn gewähren, ohne sich umzudrehen. Heiß...
Traumbilder & Wünsche
Die Fantasie vom Überraschungssex mit einem Fremden, der schweigt, kommt und geht, hat Ela oft. Und gern. In "echt" jedoch will sie nur rasch nachhause, wo der Angetraute, langjährig Vertraute wartet. Ein unbekannter Fummler dürfte im wahren Leben in Sachen Hautkontakt ausschließlich mit Elas g'streckter Rechter rechnen. Denn Fantasie und Wunsch sind nun mal nicht eins. Schon gar nicht, wenn's ums Sexuelle geht.
Was Menschen sich zwecks Lustbeflügelung im Kopf kreieren und was sie in der Tat gerne spüren oder machen würden, ist meist sogar ein Riesenunterschied, weiß der Wiener Sexualpädagoge und -berater Dieter Schmutzer: "Erotische Fantasien entwickelt man für sich selbst und für sich allein. Sie haben mit der realen Beziehung kaum etwas zu tun. Und sie deuten auch höchst selten auf verdrängte Wünsche nach genau diesem, in der Fantasie erdachten Geschehen oder Erleben hin." Trotzdem verraten die Drehbücher dieses "Kopfkinos" eine Menge über ihre Regisseure wenn man sie richtig deutet.
Wilde Gedanken
Auch wenn's im modernen Alltag oft bei "Samstags, neun Uhr, im Ehebett, wie Hunderl oder Missionar" bleibt (und zufrieden stellt), spielt sich's in der Fantasie der Gattung Homo sapiens gewaltig ab. Da wird rudelgebumst, gefesselt, verführt, geschleckt und geschlagen, dass es für Hardcore-Porno-Produzenten eine tiefste Freude wär. "In jedem von uns steckt etwas Wildes, Animalisches, Unkontrolliertes", stellt Schmutzer klar. Nahezu jeder Mensch treibe "es" in Gedanken bunt, egal wie's in der Praxis läuft.
Wer jetzt zweifelnd den Kopf schüttelt, sei auf die Studien des britischen Psychotherapeuten Brett Kahr verwiesen, der über 15.000 Frauen und Männer eingehenden Befragungen unterzog. Seine wissenschaftlichen Arbeiten bestätigten zum Beispiel dies:
● 90 Prozent aller Frauen und 96 Prozent aller Männer pflegen sexuelle Fantasien.
● Rund jede(r) Vierte zaubert sich dabei sadomasochistische Szenerien herbei.
● Frauen neigen öfter zu masochistischen, Männer zu sadistischen Fantasien.
● 58 Prozent binden Partner in Gedankenspiele ein, 90 Prozent "betrügen" im Kopf auch mal ganz gern.
● Rund ein Viertel fantasiert sich auch wenn "in echt" meist rein hetero aktiv ins Reich der Homosexualität.
Noch mehr heiße Fakten lesen Sie im LEBEN 12/01-02!











