Was hilft, die Seelen-Ketten zu sprengen
- Ständige Schuldgefühle rauben die Lebensfreude

Warum es schon wieder nebelig ist, die Hose nimmer passt, im Job nix weitergeht oder die Zeit nie reicht? Na, irgendwer muss schuld sein, oder? Denn so haben wir das gelernt. Von der Erbsünde bis zum "Es regnet, weil du nicht aufgegessen hast, mein Kind". Auslöser und Wirkung zusammengebastelt, negative Ursachenzuschreibung vorgenommen, Schuld zugewiesen passt!
Einer hat immer das Bummerl, weil's das Leben anderer leichter macht. Und manchmal kann ein Eingeständnis durchaus herrlich sein, wie es Austro-Sängerin Birgit Denk im großartigen Song "I bin schuid" auf den Punkt bringt: "I bin schuldig, aber frei! So a Geständnis reinigt voll, weu: I bin schuid, jo i nimm's auf mi. I gib's zua, des woa ollas i!" Der Trick in derlei bereitwilliger Übernahme umfassender Verantwortung hat tatsächlich psychologische Relevanz: Wer "Schuld" hat, konnte nämlich etwas bewirken. Und auch wenn es etwas Negatives war, scheint's oft besser als nichts, weil Ohnmacht als noch schlimmer empfunden wird.
Positive Verantwortung
Super, wenn es jemanden gibt, der sich zum Sündentierchen eignet. Aber oft grässlich für die Seele der auserkorenen "Schuldigen". Vor allem, wenn sie die Sache selbst so sehen. Es quält und hemmt, sich stets als Verursacher von Negativereignissen zu betrachten oder dazu gemacht zu werden. Schuldgefühle und schlechtes Gewissen sind eine schwere Belastung. Was dahinter steckt, hat viele Facetten.
Jeder ist für sich selbst verantwortlich
"Der Umgang unserer Gesellschaft mit dem Prinzip von Ursache und Wirkung erschwert es, mit dem Thema Verantwortung sinnvoll zu verfahren, weil der Begriff in erster Linie negativ besetzt ist", erklärt die Linzer Psychologin Isabella Woldrich. Verantwortung werde in der Regel mit Schuld gleichgesetzt, was es zum Problem mache, Fehler offen einzugestehen und daraus zu lernen. Zugleich wird gefördert und verlangt, dass jeder Einzelne Verantwortung übernimmt. Wo dies richtig und möglich ist und wo es nicht zu den Fakten passt, wird häufig übersehen.
Aus Fehlern lernen
Woldrich: "Sagt zum Beispiel der Gatte 'Ich bin unglücklich, und du bist schuld', kann das nicht zutreffen, weil jeder Partner für sich selbst verantwortlich ist. Hat sich jedoch etwa das Kind erkältet, weil die Eltern nicht auf warme Kleidung geachtet haben, sind sie zwar 'schuld', aber Schuldzuweisung allein bringt nichts. Was zählt, ist der Lernanteil, der sie nächstens rechtzeitig zum warmen Kinderpulli greifen lässt."
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